Nordkurier - Treptower Tageblatt
Artikel vom 08.06.2004
Von unserem Redaktionsmitglied Nicole Hinz
Plattdeutsch-Kenner wird zum Wort-König
„Schwienplietsch“ wird in Stavenhagen geehrt

So richtig fassen konnte Siegfried Mamerow sein Glück gestern immer noch nicht. „Dass ausgerechnet mein Vorschlag ausgewählt wird, hätte ich vorher nie für möglich gehalten“, sagt der Altentreptower und spielt damit auf das Wort „schwienplietsch“ an. Im Rahmen der 10. Stavenhagener Reuter-Festspiele wurde Mamerows Vorschlag von einer niederdeutschen Jury zum „Plattdüütschen Wurt des Jahres 2003“ erklärt.
Und das, obwohl noch vier andere Plattdeutsch-Kenner genau das gleiche Wort zum Landesheimatverband Mecklenburg-Vorpommern beziehungsweise zum Stavenhagener Museum geschickt hatten. „Ich sag ja, es muss irgendwie Glück mit im Spiel gewesen sein“, gibt sich der 71-Jährige bescheiden. Dabei hatte er erst vor knapp zwei Monaten von dem Wettbewerb erfahren. „Als ich in der Zeitung darüber las, war mein Interesse gleich geweckt“, sagt er. Zumal er es einfach nicht auf sich beruhen lassen konnte, dass im vergangenen Jahr das Wort „upsternaatsch“ als Sieger ermittelt wurde. „Was hat denn das bitte mit unserem Heimat-Platt zu tun“, wettert er noch heute über die Entscheidung. „Im Vergleich dazu haben wir in diesem Jahr einen echten Begriff aus unserem mecklenburgischen Niederdeutsch“, freut er sich.

Begriff mit Tradition

Und genau dieser hat auch noch Tradition. Das Wort, das eigentlich so viel heißt wie neunmalklug reden oder aber vorwitzig diskutieren, hat Mamerow nämlich schon in seiner Kindheit des Öfteren gehört. „Wenn ich mich richtig erinnere, haben selbst meine Eltern und Großeltern diesen Ausdruck verwendet“, meint Mamerow, der eigentlich schon immer dem Plattdeutschen mächtig war und auch heute noch dazu beiträgt, dass die niederdeutsche Mundart hier in der Gegend erhalten bleibt. „Oft veranstalten wir unter Gleichaltrigen niederdeutsche Nachmittage, an denen wir unter anderem Geschichten von Tarnow vortragen“, sagt er.Auch im nächsten Jahr wird sich der Rentner wieder an dem Wettbewerb beteiligen.

© Nordkurier.de am 08.06.2004