Fritz Reuter
 
eigentlich Heinrich Ludwig Christian Friedrich Reuter;
 * 7. November 1810 in Stavenhagen
 † 12. Juli 1874 in Eisenach
...der  bedeutendste Dichter der Niederdeutschen Sprache

 Reuter 200

Nachgelesen bei Dr. Richard Dohse, anlässlich des 100. Geburtstages 1910 geschrieben.

Von keinem Dichter ist das Bild seiner Heimat so klar und lebendig in seinen Werken widergespiegelt worden, wie bei Fritz Reuter. Hier liegen die Wurzeln seiner Kraft. Wer Mecklenburg nicht kennt, dem wird und kann der intimste Reiz nicht aufgehen.
Elternhaus und Schule
Reuters Vater, der Bürgermeister und Stadtrichter von Stavenhagen Johann Georg Reuter, war ein typischer Starrkopf, der keinen Widerspruch duldete. Eins aber hat Fritz von ihm geerbt und nicht die schlechteste Waffe für den Lebenskampf: einen Sinn für alles Klare und Wahre, für alles Gerade und Reelle, für die gerechte Beurteilung aller Dinge im Leben, die ihn immer wieder adelt, und die ihn in seinen Leidenstagen trotz der vielen Ungerechtigkeiten, die ihm widerfahren sind, selbst nicht ungerecht hat werden lassen. Seine Mutter Johanna war im Gegensatz zum Vater eine weichmütige, nachsichtige Person. Fritz kannte sie nur als schwerkranke Frau. Ihr Leiden, eine Lähmung, befiel sie 1812 nach der Geburt ihres zweiten Sohnes Ernst, der schon 1813 starb. Den Haushalt leitete sie vom Krankenstuhl aus. Fritz sagt von ihr: „so flitig, so flitig, as wiren ehr armen swacken Hänn’ gesund.“ Eifrig betrieb sie die Lektüre verschiedener Bücher. „Ünner Weihdach’ les’ sei in de Bäuker.“
In einem erhalten gebliebenen Merkbuch schreibt sie: „Wehe mir, daß ein solches Schicksal mir widerfahren muß! Nicht doch, sondern: Wohl mir, daß ich trotz dieses Schicksals kummerlos bleibe; weder von der Gegenwart gebeugt, noch von der Zukunft geängstigt! Hätte ja doch so etwas jedem anderen widerfahren können. Es ist kein Unglück, aber es edel zu dulden, ist Glück!“ Johanna Reuter starb 1826. Von der Mutter hat er die Gabe der lebendigen Vorstellung von den Dingen und den überaus beweglichen Geist geerbt.
Fritz verlebte in seiner Heimatstadt Stavenhagen eine unbeschwerte Kindheit. Obwohl er anfangs nur ein „knendlig Kind“, ein schmaler schmächtiger Junge war.

In den ersten Schuljahren hat Onkel Herse die größte Rolle gespielt. Fritz wurde zusammen mit seiner Halbschwester Lisette und seinen Vettern Ernst und August unterrichtet. Lesen und schreiben hatten die Kinder bereits bei Mutter Reuter gelernt. Der Besuch der Mädchenschule von Mamsell Schmidt darf nicht unerwähnt bleiben. In Französisch wurden die Kinder von Schneider Kreuz und später von dem köstlichen „Uhrkenmaker“. Droz unterrichtet. Auch Lateinisch und Griechisch sollte Fritz von verschiedenen Lehrern lernen. Er zeigte wenig Neigung für die Wissenschaften. Das einzige, wofür sich bei ihm damals schon ein gewisses Talent offenbarte, war das Zeichnen. Mit knapp 14 Jahren (Michaelis 1824) wurde Fritz mit seinen Vettern auf die Gelehrtenschule zu Friedland geschickt. Dreieinhalb Jahre blieb er auf dem Gymnasium. Die Lehrer Zehlicke und Gesellius waren ihm sehr zugetan. Auch Fritz ist voller Dankbarkeit, besonders gegen Gesellius gewesen. Später wurden die beiden Lehrer als Lektor bzw. Konrektor an das Gymnasium in Parchim versetzt. Als Sekundaner siedelte auch Fritz dorthin über. In Parchim besserten sich seine schulischen Leistungen. In dieser Zeit hatte er seine Schülerliebe, die er anschwärmte und andichtete. Es war Adelheid Wüsthoff, die Tochter des Bürgermeisters. Lange währte die Leidenschaft nicht. Der Bürgermeister ließ ihm ausrichten: „Wenn ick dat nich sin let, denn zeigte heilt bi’n Schauldirekter an.“ Fritz musste seinen Verkehr aufgeben. Mit einem leidlich guten Zeugnis wurde ihm Michaelis 1831 die Reife zum Besuch der Universität zuerkannt.
W. Kurth