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Berichte aus Natur und Umwelt
vom Naturfreund und Hobbyornithologen
H. Käckenmeister, Matthias Schroth und Stefan Haak

 

 

Lebendes Fossil in den Bächen um Altentreptow
Bachneunauge ist in unserer Region (noch nicht) ausgestorben ?

Immer wieder erreichen uns Berichte von seltsam aussehenden Fischen in den Bächen der Region. Es handelt sich nach den Beschreibungen  um das Bachneunauge. Dieses seltene Lebewesen ist das einzige stationär lebende Rundmaul in Deutschland.Es besiedelt klare Bäche und kleine Flüsse.
Im Tuchmachergraben, im Teetzlebener Mühlenbach und im im Goldbach sollen in den 1960er Jahren noch viele Bachneunaugen gelebt haben.

Das Bachneunauge wird bis zu 15 cm groß und erinnert von seinem Aussehen her zunächst an einen jungen Aal, ist mit diesem und den übrigen Fischen aber nicht näher verwandt. Es gehört vielmehr zu den so genannten Rundmäulern, einer sehr altertümlichen Tiergruppe, die keine Unterkiefer ausgebildet haben. Der deutsche Name leitet sich davon ab, dass Nasengrube, Auge und sieben Kiemenöffnungen von der Seite gesehen eine Reihe von neun markanten "Augen" ergeben. 

Im Gegensatz zu Meer- und Flussneunauge ist das Bachneunauge (Lampetra planeri) das einzige stationär lebende Rundmaul in Deutschland. Es besiedelt klare Bäche und kleine Flüsse in der Forellen- und Äschenregion. Die meiste Zeit seines Lebens verbringt es im Larvenstadium (Querder), das drei bis vier Jahre dauert. Während dieser Zeit lebt der Querder im Sand verborgen. Nur das Maul ragt etwas ins strömende Wasser um Schwebteilchen, von denen sich der Querder ernährt, aus dem Wasser filtrieren zu können. 

Im 3. oder 4. Herbst bildet sich der Querder in das erwachsene Bachneunauge um. Der Körperbau dieses adulten Stadiums ist vor allen Dingen für die Fortpflanzung ausgerichtet. Der Verdauungstrakt ist stark zurückgebildet und funktionslos. Eine Nahrungsaufnahme findet nicht statt. 

Zum Ablaichen wandert das Bachneunauge im Frühjahr bachaufwärts. An günstigen Laichplätzen schlagen sie in kleinen Rudeln von 6 - 12 Tieren Laichgruben, in denen die Eier abgelegt werden. Nach der Eiablage sterben die Elterntiere ab. Die nach einigen Tagen schlüpfenden Larven suchen dann ruhigere Bachbereiche auf um sich dort einzugraben. 

Vorkommen in Deutschland:
Das Bachneunauge kommt in ganz Deutschland vor. Es ist jedoch durch viele Gefährdungsfaktoren stark dezimiert worden. In allen Bundesländern wird es als vom Aussterben bedroht bzw. als stark gefährdet eingestuft. Kartierungsergebnisse in einzelnen Bundesländern scheinen jedoch zu bestätigen, daß die Bestände bisher unterschätzt wurden.  

Gefährdungsfaktoren:
Die Monotonisierung der Gewässer durch Ausbau und Begradigung ist wie die Gewässerverschmutzung ein wesentlicher Gefährdungsfaktor. Laichwanderungen und Wiederbesiedlungen werden oft durch Querbauwerke verhindert. 

Schutz:
Gewässerreinhaltung, Sanierung und Renaturierung durch Wiederherstellung von strukturreichen Gewässern ermöglichen den Bachneunaugen eine ungestörte Reproduktion und die Wiederbesiedlung von Gewässern. Eine oft notwendige Gewässerunterhaltung (Sandfänge u. ä.) sollte auf den notwendigen Schutz der Bachneunaugen abgestimmt sein. 

Gefährdung:

  • Querverbauung von Gewässern
  • Eutrophierung
  • Sohlräumungen
  • Begradigungen der Gewässer, technischer Gewässerausbau

Schutzziele und Pflegemaßnahmen:

  • Erhaltung und Entwicklung naturnaher, linear durchgängiger, lebhaft strömender, sauberer Gewässer mit lockerem, sandigen bis feinkiesigen Sohlsubstraten (Laichbereiche) und ruhigen Bereichen mit Schlammauflagen (Larvenhabitat), mit natürlichem Geschiebetransport und gehölzreichen Gewässerrändern
  • Verbesserung der Durchgängigkeit
  • Vermeidung von organischer Gewässerverschmutzung, bzw. Reduzierung und Verhinderung von Stoffeintrag in die Gewässer z.B. durch breite, unbewirtschaftete Uferrandstreifen
  • Erhaltung von Habitatstrukturen im Gewässer wie Steine, Wurzelgeflecht und Anschwemmungen von Blatt- und Pflanzenresten
  • Verzicht auf Sohlräumung
  • Entwicklung typischer Ufergaleriewälder

Laichende Neunaugen flüchten nicht, wenn sich ihnen ein Mensch nähert. Da sie eine streng geschützte Art sind, sollte man sie allerdings nicht beim Laichgeschäft stören.
Die Angst, von einem Neunauge "gebissen" zu werden, ist unbegründet, das Saugmaul ist so weit zurückgebildet, dass sie niemandem etwas zuleide tun können. Somit ist auch die Befürchtung, dass diese Neunaugen im Süßwasser Fische anfallen, gegenstandslos.

 

 Treptower Tageblatt

Am Tollense-Wehr weilt außergewöhnlicher Besuch
Wasseramsel ist auf Tollensegrund auf Nahrungssuche
Seit kurzem weilt ein außergewöhnlicher und seltener Vogel am Tollense-Wehr von Altentreptow: Die Wasseramsel. Ein Vogel, der im allgemeinen drosselgroß, kurzflügelig und kurzschwänzig an fließenden Gewässern vorkommt und sich durch die besondere Art des Nahrungserwerbs von den anderen Singvögeln unterscheidet. Die Wasseramsel taucht nämlich auf den Grund des Gewässers und sucht hier Gliederfüßler und kleinste Fische.

Wie die wunderschönen Eisvögel, die am Wehr auch in mehreren Exemplaren vorkommen, fliegt sie flach über dem Wasser, um dann aber auf Steinen zu landen, die aus dem Wasser ragen. Von hier aus startet sie ihre Nahrungssuche. Abweichend von der in Mitteleuropa vorkommenden Art ist dieser Gast nur etwa stargroß, mit etwas dunklerer Gefiederoberseite, aber auch mit einem großen weißen Brustlatz. Es ist die nordische Unterart Cinclus c. cinclus, die in Skandinavien, Finnland, Baltikum bis Nordpolen vorkommt.

Wünschen wir uns, dass diese Vogelart nicht gestört wird und nicht nur sporadisch erscheint, denn vor drei Jahren hatten die Naturfreunde Bärbel Brod und Volker Dienemann hier bereits die Wasseramsel gesichtet, während eine Beobachtung von Kurt Feseler bereits über 20 Jahre zurückliegt.

 

 Treptower Tageblatt

Exotische Sträucher für Vögel kein Leckerbissen
Eingriff des Menschen gefährdet Tierbestand

In diesem Winter war die kalte Jahrszeit wieder einmal als solche zu erleben, denn mit Schnee, Frost und tiefen Temperaturen waren die Altentreptower gut bedient. Wie ist es aber um unsere Fauna bestellt? Gab es für die Tiere genug Schutz und Nahrung?

Mit vielen Insekten- und Vogelarten war es in der winterlichen Zeit nicht zum Besten bestellt. Die Hauptursache dafür ist, dass die Lebensräume von Menschenhand verändert oder zerstört wurden. Die größte Sünde waren die radikalen Meliorationsmaßnahmen und die Flächenzusammenlegungen zu LPG-Zeiten, die mit der Trockenlegung vieler Sölle, der Beseitigung der Hecken und der Schrumpfung der heimischen Sträucher einherging.

Ein großer Fehler ist es, wenn in den gepflegten Vorgärten und in den Kleingärten vorrangig exotische Gehölze wie beispielsweise der Essigbaum oder fremdländische Koniferen gepflanzt werden. Die teuren Exotensträucher aus Asien und Amerika tragen häufig keine Früchte, weil sie gänzlich unfruchtbar gezüchtet sind (Zierkirsche, Gefüllter Schneeball), oder für ihre Früchte fehlen in der Altentreptower Region die passenden Abnehmer. Einige Ziersträucher wie Rhododendron und Perückenstrauch sind wertlos, weil ihre Früchte in diesem Klima nicht ausreifen.

Hinzu kommt, dass die Blätter vieler fremdländischer Sträucher für heimische Pflanzenfresser ungenießbar sind. Eine Fütterung der Vögel in Notzeiten mag hilfreich sein, ein ganzjähriges Angebot von Blüten und Wildbeeren ist besser, denn das ist auch etwas für Schmetterlinge und andere Insekten. Von Anfang Januar bis Ende Dezember reicht nämlich das Jahr der Wildsträucher, wie Vogelbeere und Schwarzer Holunder. Für sie sprechen Argumente wie: unempfindlich, billig, lebendig und gesund. Kunstdünger und giftige Spritzmittel sind dann nicht mehr notwendig. Wer ein Herz für Tiere hat, sollte einheimischen Wildstrauch pflanzen.

 

 Treptower Tageblatt

Eine für unsere Region ornithologische Rarität machte Naturfreund Hans Käckenmeister und will sie den Nordkurier-Lesern nicht vorenthalten.

Nachdem ich schon zwischen dem 31. Januar und dem 13. Februar am Tollense-Wehr von Altentreptow die Wasseramsel, also die nordische Art, beobachtet habe, gesellte sich nun am 14.Mai in unserer Region eine – wie ich meine – weitere Rarität dazu: ein Paar Säbelschnäbler.

Infolge der häufigen, ergiebigen Regenfälle im Frühjahr führten im Altkreis die Ackersölle sehr viel Wasser, liefen zu Teil über und viele Ackersenken vernässten derartig, dass sich teilweise Wasserflächen von mehreren hundert Quadratmetern bildeten. Bei einem Kontrollgang in meinem Jagdrevier konnte ich am oben genannten Termin zwei Rothalstaucher, zwei Trauerseeschwalben, Kiebitze, Stock- und Knäckenten, Graugänse, sowie das Säbelschnäblerpaar beobachten. Diese Palette erweiterte sich in den nächsten Tagen noch um je ein Paar Schnatter-, Schell- und Löffelenten, und in der Uferzone waren es Flussregenpfeifer und vier Rotschenkel.

Es zeigte sich, dass die Trauerseeschwalben keine Brutgelegenheit fanden und fortblieben, aber die Kiebitze, Flußregenkpfeifer, Graugänse und Stockenten brüteten erfolgreich und zogen ihre Jungen auf. Was aber geschah mit den Säbelschnäblern? Würden sie auch Junge aufziehen können?

Ihr Biotop sind gewöhnlich die Wattküsten und Brackwasserzonen, Lagunen, Mündungsgebiete von Strömen und im Binnenland salzhaltige Gewässer. In Südeuropa finden wir sie in Portugal, Südspanien und isoliert an der italienischen Küste um Genua und am Golf von Venedig. In Nordeuropa treten sie in Dänemark, Südschweden und an der Nordseeküste der Niederlande und Deutschlands sowie an der deutschen Ostseeküste bis Mecklenburg-Vorpommern auf. Es ist also etwas Außergewöhnliches, wenn diese etwa 43 Zentimenter großen Vögel hier an einer Ackersenke im Binnenland anzutreffen sind.

Meine Freude war rießig, als ich dann die Nestmulde der Säbelschnäbler mit vier auf lehmfarbenem Grund gefleckten Eiern fand und fotografieren konnte. Leider war das Gelege 14 Tage später zerstört, und ich stand nur noch vor einem Schalenrest. Aber das Paar hatte erneut zu brüten begonnen, doch auch diesmal war der Nesträuber erfolgreich und zwang des Brutpaar am 14. Juni zu einem dritten Anlauf. Es sollte der letzte sein und blieb leider wieder erfolglos. Die Säbelschnäbler haben Anfang Juli das Revier verlassen.

Bewahrheitet hatte sich wieder einmal, das viele Tiere, die man für äußerst selten oder für gar nicht mehr vorhanden hält, plötzlich doch zu beobachten sind, wenn eben ihr Lebensraum vorhanden ist, wie er in diesem Fall vorübergehend durch eine Laune der Natur geschaffen wurde.

 

 Treptower Tageblatt

„Uferpflege der Tollense wird übertrieben“
 Naturfreunde fürchtet um Artenreichtum

Seit über 10 Jahren führt unser Leser Hans Käckenmeister die Wasservogelzählung – erst im Auftrage des Zentralinstituts für Wasservogelforschung Potsdam, dann privat – zwei bis drei mal jährlich an der Tollense von Altentreptow bis Neddemin und am Randkanal durch. Mit Sorge beobachtet er die Entwicklung des Artenreichtums im Bereich des Gewässers. Er schrieb nachstehenden Beitrag, in dem er begründet, weshalb sich Vögel hier zurückziehen.

Leider ist festzustellen, dass der Artenreichtum auf den Gewässern zurückgegangen ist, insbesondere betrifft dies die Entenarten. Jahrelang waren neben zahlreichen Stockenten auch Reiher-, Schnatter- und Schellenten zu beobachten. In diesem Jahr waren nur noch Schellenten außer den Stockenten vertreten.

Weniger Stockenten
Seit einigen Jahren ist auch eine Abnahme der Stückzahlen bei Stockenten zu registrieren. Dies zeigt auch eine Gegenüberstellung der letzten zwei Jahre deutlich: Im November 2001 und 2002 zählte ich am Randkanal jeweils 41 Stockenten. An der Tollense sank ihre Zahl von 112 im November 2001 auf 18 im November 2002. – Wie ist diese Erscheinung zu erklären? Ich vermute, dass sie anthropologische Ursachen hat. Also haben die Wasserwanderer oder die Angler daran Schuld? Nein, denn die Intensität der Nutzung der Gewässer durch sie ist kaum verändert. Könnte sich nicht die Ausräumung der Flusslandschaft, wie sie in diesem Jahr so konsequent und radikal vorgenommen wurde, auf die Fauna ausgewirkt haben?

Bankette wie rasiert
Zunächst ist festzuhalten, die Tollense mäandert nach wie vor herrlich von Neubrandenburg bis Neddemin und und fließt auch in schönen Schleifen weiter bis Altentreptow. Aber hiermit hört die Naturbelassenheit auch auf. Wandert man zwischen den Wehren von Neddemin und Altentreptow an der Tollense entlang, gewinnt man den Eindruck, an einem gepflegten Parkgewässer zu sein. Das Gewässer ist bestens bis an den Rand entkrautet. Die unbewachsene Uferzone ist sogar teilweise glatt abgestochen – zum Leidwesen der Angler sind die Kolke verschwunden. Die Uferbankette sind abgemäht, wirkt fast wie rasiert.

Auf der gesamten Strecke von Altentreptow bis zum Neddeminer Wehr sind lediglich drei Stellen mit Reststreifen Schilf von etwa je fünf Meter Länge. Es wurde diese nicht geschnitten, weil die Bodenverhältnisse er nicht zu ließen mit der Technik hier zu arbeiten.

Wo ist der Sichtschutz für Enten, die Nistmöglichkeit für Rohrsänger? Hier werden Zusammenhänge deutlich, betrachtet man die Wasservogelzählung. Muss es uns bei solch radikalen Eingriffen in den Lebensraum noch wundern, dass die Vogelarten drastisch abnehmen? Wollen wir die Rohrsänger  und Rohrammern weiter zurückdrängen? Fragen über Fragen.

Sensibilität nötig!
Das Tollensetal ist seit der Wende ein Landschaftsschutzgebiet. Es soll einen großen Erholungseffekt haben. Und dazu gehört nicht nur die Ruhe, sondern die möglichst belassene Natur, der Anblick der Pflanzen- und Tierarten. Fragen werfen auch die Arbeiten am Wasserbereich auf. Muss der Schnitt so rigoros geführt und sollte das Mähgut nicht schneller und gänzlich entfernt werden?

Tatsache ist, dass das Schnittgut nur zum Teil zu den Flusssperren fortgetragen und dort geborgen wurde. Große Teile lagen unbeweglich auf der Wasseroberfläche. Sie sanken ab und könnten die Bodenvegetation ersticken und dadurch oder durch einsetzende Fäulnisprozesse die Sauerstoffproduktion reduzieren.

Dass die Kleine Tollense renaturiert wurde, hat fast alle erfreut und ist bekanntlich mit einer Auszeichnung gewürdigt worden.
 Aber sind die so ausgeführten Arbeiten an der Tollense nicht sehr fragwürdig, der Natur abträglich und wäre hier nicht weniger mehr gewesen?

Soll die Tollense nicht nur zum Flusslauf für die Entwässerung verkommen, dem dient ja der Randkanal, sondern weiterhin ein wesentlicher Bestandteil des Landschaftsschutzgebietes Tollensetal sein, dass muss man wohl sensibler mit ihr umgehen.